PROFINET CBA
Mit PROFINET Component Based Automation (CBA) ist ein zukunftsweisendes Konzept für die industrielle Automatisierung entstanden, das die Anforderungen der Anlagenbauer und – Betreiber nach einem Anlagen weiten und Hersteller übergreifenden Engineering erfüllt. Die lückenlose Integration von bestehenden Feldbus-Systemen und Ethernet ist ein wichtiger Aspekt für die geforderte Durchgängigkeit von der Enterprise-Ebene bis hin zur Feldebene.
Komponenten-Modell
Viele Automatisierungsanlagen können in mehrere autonome Teileinheiten zerlegt werden. Diese werden bei PROFINET CBA als technologische Module bezeichnet. Sie arbeiten autonom und koordinieren sich untereinander durch eine überschaubare Anzahl von Handshake-Signalen. PROFINET CBA legt eine objektorientierte Modellierung der technologischen Module zugrunde. Auf der Basis des Objektmodells werden in PROFINET Maschinen und Anlagen in Form dieser technologischen Module strukturiert. Die Funktionalität der technologischen Module wird in Form von einheitlichen PROFINET-Komponenten gekapselt. Von aussen sind die PROFINET-Komponenten über einheitlich definierte Interfaces zugänglich. Sie können somit beliebig verschaltet werden.
Ein so konzipiertes verteiltes Automatisierungssystem ermöglicht die Modularisierung von Anlagen und Maschinen und damit die Wiederverwendung von Anlagen- und Maschinenteile. Dadurch werden Engineeringkosten erheblich gesenkt. Für PROFINET CBA steht ein leistungsfähiges Runtime-Modell zur Verfügung. Für die Implementierung des Runtime-Modells in Geräten steht auf der Website www.profinet.com die betriebssystem-unabhängige PROFINET-Runtime-Source-Software zum Download zur Verfügung. Sie unterstützt die gesamte PROFINET-Kommunikation und kann leicht in die PROFINET CBA-Geräte integriert werden.
Engineering
Für eine Anwender freundliche Projektierung eines PROFINET-Systems wurde ein Hersteller übergreifendes Engineering-Konzept definiert. Es baut auf einem Engineering-Objektmodell auf, mit dem sich nicht nur Projektierungswerkzeuge entwickeln lassen, welche die Komponenten unterschiedlicher Hersteller verwenden können, sondern auch Hersteller- bzw. Anwender spezifische Funktionserweiterungen festgelegt werden können. So lassen sich bei PROFINET durch die Trennung der Hersteller spezifischen Gerätekonfiguration, -parametrierung und -programmierung von dem Hersteller unabhängigen und Anlagen weiten Engineering mit dem PROFINET-Engineering-Tool (Verschaltungseditor) Produkte unterschiedlicher Hersteller auf einfache Weise in eine Anlage integrieren und diagnostizieren.
Die Einrichtung der Kommunikationsbeziehungen wird durch Ziehen von Linien zwischen den zu verschaltenden Komponenten hergestellt. Dabei überprüft der Verschaltungseditor die gewünschten Verschaltungen gleich auf Plausibilität. Der Austausch der Daten zwischen den PROFINET-Teilnehmern ist durch die projektierten Verschaltungen sichergestellt. Die technischen Möglichkeiten eines PROFINET CBA-Gerätes sind in der XML-basierten Datei, der PROFINET Component Description (PCD), beschrieben.
Das Engineering-Modell unterscheidet zwischen der Programmierung der Steuerungslogik der einzelnen technologischen Module und der technologischen Projektierung der Gesamtanlage. Eine anlagenweite Applikation wird demnach in drei Stufen gebildet:
| • | Erstellen von Komponenten, |
| • | Einrichten der Verschaltungen, |
| • | Download der Verschaltungsinformation in die PROFINET-Geräte. |
Komponentenerzeugung
Das Erzeugen der Komponenten (als Abbild der technologischen Module) erfolgt durch die Maschinen- oder Anlagenbauer. Die Programmierung und Konfigurierung der einzelnen Geräte (intelligente Feldgeräte, Automatisierungsgeräte) erfolgt wie bisher mit den jeweiligen Hersteller spezifischen Tools. Anschließend wird die Anwendersoftware in Form einer PROFINET-Komponente gekapselt.
Die Gerätehersteller brauchen dazu ihre Software-Tools lediglich um die neue Komponentenschnittstelle zu erweitern. Dabei wird die PCD mit vorgegebener Struktur erzeugt, deren Inhalte in PROFINET spezifiziert sind. Auf diese Weise können vorhandene Anwenderprogramme sowie das Know-how von Programmierern und Servicepersonal weiter verwendet werden.
Komponentenverschaltung
Die erzeugten PROFINET-Komponenten werden mit dem Verschaltungseditor per Mausklick aus einer Bibliothek heraus zu einer Applikation verschaltet. Dieses Verschalten ersetzt die bisher aufwändige Programmierung der Kommunikationsbeziehungen durch einfaches grafisches Projektieren.
Das PROFINET-Engineering-Tool führt die einzelnen verteilten Anwendungen anlagenweit zusammen. Es arbeitet Hersteller unabhängig und verschaltet damit PROFINET-Komponenten beliebiger Hersteller. Der entscheidende Vorteil ist, dass die Kommunikation nicht mehr programmiert werden muss.
Download der Verschaltungsinformation
Nach der Komponentenverschaltung wird die Verschaltungsinformation in die PROFINET-Geräte geladen. Damit kennt jede Komponente alle Kommunikationspartner, Kommunikationsbeziehungen und die auszutauschenden Informationen.
Der Aufbau der Kommunikationsverbindung zum Partner und der Datenaustausch erfolgen automatisch. Die Verschaltungsinformationen werden in den jeweiligen Consumer geladen, der die Kommunikationsverbindung zu den beteiligten Partnergeräten selbständig aufbaut und überwacht.
Die PROFINET CBA-Kommunikation läuft auf Basis der TCP/IP, UDP/IP-bzw. RT-Mechanismen ab.
Testtool für PROFINET CBA
Um neu entwickelte Produkte auf die Zertifizierung vorbereiten zu können, steht ein Testtool für PROFINET CBA-Geräte zum Download von www.profinet.com zur Verfügung. Das Testtool ermöglicht dem Gerätehersteller, vor der Zertifizierung statische Tests durchzuführen.
Component Editor
Für die Erstellung von PROFINET-Komponenten steht ein herstellerunabhängiger Component Editor zum Download zur Verfügung. Dieses Tool ist für alle gedacht, die vor der Aufgabe stehen, PROFINET-Komponenten zu erstellen. Das Tool generiert automatisch alle notwendigen Informationen einer Komponente, die der anlagenweite PROFINET-Verschaltungseditor benötigt.