PROFINET Handbuch

Kommunikationsdienste

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Um zyklische und azyklische Daten zwischen einem IO-Controller/Supervisor und einem IO-Device austauschen zu können, muss ein IO-Controller die erforderlichen Kommunikationswege im System-Hochlauf aufbauen. Hierzu richtet der IO-Controller eine Verbindung auf Basis der vom Engineering-System vorgegebenen Daten ein. Die Application Relation (AR entspricht der Verbindung) beinhaltet alle Daten, die zum Aufbau für diesen Datenaustausch benötigt werden. Sie kann flexibel gestaltet werden. Innerhalb einer AR sind ein oder mehrere APIs angegeben, die eine feinere Gliederung der Anwendung erlauben. Eine AR kann mehrere Kommunikations-Beziehungen (Communication Relations, CR) enthalten.

 

Fol­gende CRs sind somit für jede API möglich:

Ein oder mehrere IO-CRs (un­terschieden nach Input, Out­put, Querverkehr)
Alarm-CR zur Weitergabe von Ereignissen
Record-Data-CR zum Aus­tausch von azyklischen Daten­sätzen

 

 

Ein IO-Controller/Supervisor kann eine AR zu einem oder mehreren IO-Devices aufbauen. Ein IO-Device kann mit mehreren IO-Controllern Daten austauschen. Konkurrierende Schreibzugriffe auf dieselben Daten werden vom IO-Device abgewehrt.

 

Zyklischer Datenaustausch

Für den zyklischen Austausch der Prozess-Signale und der hochprio­ritären Alarme verwendet PROFI­NET IO den RT-Kanal. Für die Da­tenübertragung nutzt PROFINET IO nachfolgende Möglichkeiten:

RT-Kommunikation innerhalb eines Netzwerkes: Bei dieser auf Performance ausgelegten Kommunikation wird der schnelle RT-Kanal, d.h. ohne Verwendung von UDP/IP, ver­wendet (Ethertype 0x8892).
RT-Kommunikation zwischen Netzwerken: Hierfür werden zusätzlich zum schnellen RT-Kanal (Ethertype 0x8892) der Protokoll-Mechanismus über UDP/IP verwendet.
IRT-Kommunikation für die de­terministische und taktsyn­chrone Datenübertragung.

 

Der Daten-Querverkehr (MCR = Multicast Communication Re­lation) basiert auf der RT-und IRT-Kommunikation und be­steht aus einem Provider, der die Daten am Bus veröffentlicht, und aus einem oder meh­reren Consumern, die die Daten verarbeiten.

 

Der Datenaustausch vom IO-De­vice an den IO-Controller erfolgt in einem vom IO-Controller paramet­rierten Raster. Den Aktualisie­rungszyklus vom IO-Controller zum IO-Device gibt der Projekteur im Engineering-Tool vor. Dadurch ist die gegenseitige Überwachung der Funktionsfähigkeit (Watchdog) ge­geben. Alle zyklischen Daten sind Subslot granular mit einem Status versehen, der die Gültigkeit der Daten angibt.

 

Im Unterschied zu PROFIBUS kann die Datenübertragung bei PROFINET IO hinsichtlich der Häufigkeit optimiert werden, d.h. Daten können in unterschiedlichen Phasen übertragen werden. Um das bewerkstelligen zu können, definiert PROFINET IO einen Untersetzungsfaktor (Reduction Ratio). Er bestimmt die Häufigkeit der Datenübertragung.

 

Azyklischer Datenaustausch (Record Daten)

Das Lesen und Schreiben (Read/Write-Services) von Informationen kann der Anwender azyklisch durchführen. Nachfolgende Dienste werden bei PROFINET IO azyklisch abgewickelt:

Parametrieren der einzelnen Submodule im Systemhochlauf
Auslesen von Diagnoseinfor­mationen
Auslesen von Identifikations-Informationen gemäß den ´Identification and Maintenan­ce (I&M) Functions´
Rücklesen von I/O-Daten

 

Welche Daten azyklisch zu lesen oder zu schreiben sind, ist bei der Adressierung durch den Index be­stimmt.

Viele Dienste sind dabei standardisiert. Hersteller spezifisch kann dies durch zusätzliche Diens­te erweitert werden.

 

Alarme

PROFINET IO überträgt Ereignisse innerhalb eines Automatisierungs­prozesses als Alarme, die vom Anwendungsprozess zu quittieren sind. Sie decken sowohl System definierte Ereignisse (wie Ziehen und Stecken von Baugruppen) als auch Anwender definierte Ereignis­se (z.B. Lastspannung defekt) ab, die in der verwendeten Steue­rungstechnik erkannt wurden bzw. schon im Prozess auftraten (z.B. Kesseldruck zu hoch). Folgende Ereignisse werden dabei unter­schieden:

Prozess-Alarme: Ereignisse, die aus dem Prozess kommen und an die Steuerung gemel­det werden
Diagnose-Alarme: Ereignisse, die Fehlfunktionen eines Feld­gerätes anzeigen
Maintenance-Alarme: Über­mittlung von Informationen um durch vorbeugende Wartungs­arbeiten den Ausfall eines Ge­rätes zu vermeiden
Hersteller spezifische Diagno­sen

 

PROFINET definiert standardmä­ßig eine Reihe von Alarm-Ursachen, wie beispielsweise:

Pull-und Plug-Alarme treten in Zusammenhang mit modularen IO-Devices auf, wenn ein Mo­dul gezogen bzw. gesteckt wird.
Return-of-Submodule-Alarme sind dann anzuwenden, wenn ein IO-Device für ein bestimm­tes Input-Element wieder gülti­ge Daten liefert.

 

Alarme werden zur eindeutigen Identifizierung immer über einem Slot/Subslot gemeldet. Diagnose ­und Prozess-Alarme kann der An­wender unterschiedlich priorisieren.